Ben Tun Qi – Rennendes Ferkel Qi


Autor: Lobisch Natascha


Journal: Qi - Zeitschrift für Chin. Med. 2015, 24, 1, 13-17, deutsch


Beim Ben Tun Qi bewegt sich das Qi im Chong Mai entgegen seines physiologischen Verlaufs vom Unterbauch nach oben zum Herzen bis hin zur Kehle. Gegenläufges Qi ist eine typische Pathologie des Chong Mai. Im 29. Kapitel des Nanjing heißt es: „Wenn das Durchdringungs-Gefäß erkrankt, dann bewegt sich das Qi entgegen seiner regulären Richtung und im Körperinneren treten Spannungen auf.“ Ein wichtiges Zeichen von Ben Tun Qi ist eine körperliche Sensation in Form von Hitze, Kribbeln oder Energie, die sich vom unteren Bauchraum nach oben hin zum Thorax bewegt. Das Symptombild ruft Assoziationen von einem rennenden Ferkel hervor, das panikartig auf der Flucht vor dem Metzger ist. Die durch Schrecken verursachte panikartige Symptomatik wird von Zhang Zhong Jing (ca. 150–219 n. Chr.) im 8. Kapitel des Jin Gui Yao Lüe (Wichtige Verordnungen aus dem goldenen Schrein) folgendermaßen beschrieben:
„Die Erkrankung des rennenden Ferkel-Qi beginnt im unteren Abdomen und schnellt hoch zum Herz. Der Patient hat das Gefühl als würde er sterben. Und dann tritt wieder ein normaler Zustand ein. All dies wird verursacht durch Schrecken und Angst.“
Die Auswirkungen von Schrecken und Angst auf die Qi-Bewegung werden schon im Nei Jing erläutert. Im 39. Kapitel des Su Wen heißt es:
„Bei Furcht zerstreut sich das Qi und wird chaotisch. ...Bei Angst steigt das Qi in den Leitbahnen hinab und führt zu einem Stau im Unteren Jiao“.
Eine solche Ansammlung von Qi im Unteren Jiao führt laut dem 56. Kapitel des Nan jing (Klassiker der schwierigen Fragen) zum rennenden Ferkel-Qi:
„Ansammlung in den Nieren nennt man rennendes Ferkel. Es entsteht im Unterleib und dehnt sich nach oben hin bis unter das Herz aus. Wie ein Ferkel bewegt es sich auf und ab, unberechenbar.“
Nicht nur die Emotionen Angst und Schrecken können zum Ben Tun Qi führen, sondern alle emotionalen Belastungen die eine Qi-Stagnation und Akkumulation von Qi hervorrufen.


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