Das Fibromyalgie-Syndrom (FMS) aus Sicht der Chinesischen Medizin


Autor: Mücher Jürgen


Journal: Qi - Zeitschrift für Chin. Med. 2014, 23, 1, 6-11, deutsch


Das FMS im Kontext der naturwissenschaftlichen Medizin
Mit dem Begriff Fibromyalgie-Syndrom (FMS) wird seit 1976 ein funktionelles somatisches Syndrom unbekannter bzw. uneinheitlicher Ätiologie und heterogener Pathogenese bezeichnet, dessen Symptomatik von anhaltenden grossflächigen Schmerzen in mehreren Körperregionen sowie von Erschöpfung und Schlafstörungen geprägt ist. Die übermäßige Schmerzempfindlichkeit lässt sich insbesondere an einer Reihe de nierter Punkte („tender points“) im muskuloskelettalen System nachweisen. Dabei sind anfangs vor allem die Wirbelsäulenregion, im weiteren Verlauf dann o  die Kiefermuskulatur, die Extremitäten und bei voller Ausprägung sowohl die obere als auch die untere Körperhälfte mehr oder weniger symmetrisch betroffen. Diese Klassifikationskriterien sind keine diagnostischen Kriterien im strengen Sinne, und da sich für die Schmerzen auch kein labordiagnostisches oder anatomisches Korrelat finden lässt, ist das Fibromyalgie-Syndrom letztlich immer nur eine Ausschlussdiagnose. Es gilt heute als Endstrecke verschiedener ätiopathogenetischer Faktoren und pathophysiologischer Mechanismen, wobei als wesentliche Komponente eine zentrale Störung der Schmerzverarbeitung – vor allem durch vermehrte Ausschüttung des „Stresshormons“ CRH – diskutiert wird. Oft wird auch auf die Bedeutung von Lernmechanismen wie operante Konditionierung und Sensitivierung für die Schmerzchronifizierung hingewiesen.

Die Deutung des FMS im Sinne der Chinesischen Medizin (CM)
Im Sinne einer Differenzierung von Krankheiten (Bian Bing) werden die großflächigen tendinomuskulären Schmerzen des FMS von der CM als „Schmerzen im (ganzen) Körper“ (Shen Tong) oder auch spezifischer als „(Muskel-)Fleisch-Bi“ (Ji Bi) kategorisiert. Dabei werden unter Bi oder schmerzhafter Blockade hauptsächlich rheumatoide Schmerzen im weitesten Sinne verstanden. Verspannungen und Muskelsteifigkeit interpretiert die CM als „Verkrampfung der Sehnen-Gefäße“ (Jin Mai Ju Ji). Die wichtigsten Aspekte der vegetativen und psychischen Be- gleitsymptomatik wie Schlafstörungen, Erschöpfung, Depressivität etc. sind aus der Perspektive der CM eigene Krankheitskategorien.


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