Vitalpilze - Alte Tradition neu entdeckt


Autor: Falzone Thomas


Journal: ZTCM Zeitschrift für TCM, 1/2011, Vol. 20, S. 11-18, deutsch


Wer hätte das gedacht: Noch vor wenigen Jahren galten Vitalpilze als Exoten, und wer sie einnahm oder als Fachexperte seinen Patienten verordnete, erntete nicht selten ein Stirnrunzeln und Skepsis. Dabei gehören Pilze zu den ältesten Naturarzneien der Menschheit. Schon die berühmte Gletschermumie „Ötzi” hatte vor 5300 Jahren an seinem Gürtel ein Ledersäckchen mit einem getrockneten, walnussgrossen Stück eines Birkenporlings (Piptoporus betulinus), den er zur Bekämpfung seiner lästigen Darmparasiten als Laxans und Antiwurmmittel benutzte, sowie ein Stück eines anderen getrockneten Pilzes, den Zunderschwamm (Fomes fomentarius) zur Blutstillung bei Verletzungen und als Hilfsmittel zum Feuermachen.
In Asien schätzt und nutzt man Pilze als Nahrungs- und Heilmittel seit jeher. Die Chinesische Medizin pflegt seit mehr als 2500 Jahren das Detailwissen über den therapeutischen Einsatz der Pilzinhaltsstoffe und beschreibt über 300 überwiegend in Asien beheimatete Vitalpilze in ihrer Wirkung genau. Viele werden noch heute in der fernöstlichen Medizin zur Heilung von verschiedenen Krankheiten, zur Stärkung des Immunsystems und zur Regulierung und Entgiftung des Körpers eingesetzt. Einer der bekanntesten unter ihnen ist der Ling Zhi, der in Japan Reishi und bei uns Glänzendender Lackporling (Ganoderma lucidum) genannt wird. Er gilt in China als „göttlicher Pilz der Unsterblichkeit” und wird ausführlich im Klassiker der Materia Medica Shen Nong Ben Cao Jing (206 vor Chr. - 220 nach Chr.) beschrieben. Bis heute gilt der Ling Zhi als bedeutendstes Naturheilmittel und wird in ganz Asien wegen seiner zahlreichen Wirkungen hoch verehrt. 
Erinnern wir uns: in der Geschichte der Chinesischen Medizin ist es kaum zu entscheidenden Übertragungsverlusten von Erkenntnissen und Wissen gekommen. Diese einzigartige Pflege der medizinischen Kultur erklärt, warum bis heute in der östlichen Welt, insbesondere in China, Japan und Korea, die therapeutische Anwendung der Vitalpilze fester Bestandteil der ärztlichen Kunst ist. Deshalb stammt der grösste Anteil an Fachliteratur und Quellen aus diesem Teil der Welt. Mit Recht dürfen wir bei dem angesammelten Wissen von der längsten klinischen Studie sprechen, die jemals stattgefunden hat. Jahrtausendealte Erfahrungen, die gemacht wurden und zu Schlüssen über die Wirkungen der Pilzinhaltsstoffe und Energetik führten, können heute, dank modernen, pharmakologischen Analysen, verstanden und bestätigt werden.
Es scheint, dass dieses Wissen nun langsam den Weg zu uns gefunden hat. Hierzulande war das Interesse über die bemerkenswerten Vitalpilze bis vor kurzem noch wenig verbreitet. Um die Anwendung und Therapie der Vitalpilze zu fördern und als eigenständigen Bereich in der Naturheilkunde sachgerecht zu beschreiben, wurde vor einigen Jahren der Begriff „Mykotherapie” geprägt. Hierbei wird nicht nur auf TCM-Energetik und Signatur grosses Gewicht gelegt, sondern auch auf schulmedizinische und biochemische Aspekte. Vitlapilze finden mit ihren spezifisch energetischen und biochemischen Wirkungen bei Ärzten und Therapeuten ein breites Interesse, da sie teilweise neue und interessante Behandlungsmöglichkeiten eröffnen. 


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