Fragwürdige Pseudowissenschaft – zur angeblichen Hepatotoxizität chinesischer Arzneimittel


Autor: Wiebrecht Axel


Journal: Chin. Medizin, Springer Medizin, 2017; 32: Heft 1, 25-31, deutsch


Eine Autorengruppe um den Erstautor Rolf Teschke hat in den letzten Jahren mehrere Artikel in internationalen Zeitschriften zur vermeintlichen Hepatotoxizität chinesischer Arzneimittel verfasst. Rolf Teschke hat sich des Öfteren als kritischer Wissenschaftler gezeigt, der immer wieder eine sorgfältige Kausalitätsbestimmung mittels der CIOMS-Skala bei Verdacht auf Arzneimittel-verursachter Lebertoxizität einforderte. Im Falle der chinesischen Arzneimittel werden jedoch sämtliche Grundsätze vergessen. Ein Review, das behauptet, dass der Zusammenhang mittels der CIOMS-Skala für 28 von 57 Arzneidrogen bzw. Kombinationsmittel nachgewiesen sei, beruht teilweise auf wissenschaftlich wertlosen Fallberichten und unhaltbaren Kausalitätsaussagen. In einigen Fällen hat eine CIOMS-Prüfung gar nicht stattgefunden, dennoch werden diesen Fällen CIOMS-Werte untergeschoben. Selbst diese Werte halten einer Überprüfung bei Weitem nicht stand. 
Der TCM rechnen die Autoren fälschlicherweise auch Arzneidrogen zu, die ausschließlich in der westlichen Medizin verwendet werden. Bezüglich zweier „Kampo“-Arzneimittel, die mit dem Appetithemmer N-nitroso-Fenfluramin verfälscht wurden, wird die Hepatotoxizität ohne stichhaltige Gründe den enthaltenen Kräutern angelastet, obwohl aufgrund von Studien und Aussagen des japanischen Gesundheitsministeriums die chemische Beimischung dafür verantwortlich zu machen ist. 
Schlussfolgerung: Den Autoren muss ein bewusstes Vorgehen und eine tendenziöse Haltung unterstellt werden. Das Review bleibt weit hinter dem üblichen Standard ihrer Autoren zurück. Ungeachtet dessen ist die mögliche Hepatotoxizität chinesischer Arzneimittel ein wichtiges und ernst zu nehmendes Thema, zu dessen Klärung die vorliegende Arbeit keinen Beitrag leistet. 

Dubious pseudoscience – on the alleged hepatotoxicity of Chinese herbal medicines

Abstract: In recent years, a circle of authors around the first author Rolf Teschke has written several articles in international journals on the alleged hepatotoxicity of Chinese herbal medicines. Rolf Teschke often exhibited as a critical scientist who has repeatedly demanded a careful assessment of causality in cases of suspected drug-induced liver injury by use of the CIOMS scale. However, in the case of Chinese herbal medicines all principles are forgotten. A review which claims an established hepatotoxicity by means of the CIOMS scale for 28 of 57 herbs or herbal mixtures is partly based on scientifically worthless case reports and insupportable causality statements. In some cases, a CIOMS test was not even conducted; nevertheless, CIOMS values were planted in those cases. But even these values do not stand up to scrutiny by any means. 
Moreover, the authors incorrectly assign herbs which are used exclusively in Western medicine to traditional Chinese herbal medicine. With regards to two "Kampo" medicines adulterated with the anorectic N-nitroso-fenfluramine, the hepatotoxicity is attributed to the herbal ingredients without any valid reason; although, on the basis of studies and a statement from the Japanese Ministry of Health, the chemical admixture is responsible for this.
Conclusion: The authors must be presumed as exhibiting a conscious action and a tendentious attitude. The review falls far below the usual standard of the authors. Despite this, the possible hepatotoxicity of Chinese herbal medicines is an important and serious issue whose clarification is not supported by this work


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