Traditionelle Chinesische Medizin (TCM) – vom Mythos zur Evidenz


Autor: Josef Hummelsberger, CH Hempen


Journal: Chin. Medizin, Springer Medizin, 2020; 35: Heft 4, 225-235, deutsch


Die TCM ist heute das umfassendste, weltweit am weitesten verbreitete traditionelle Medizinsystem. 

Ursprünglich erschien die TCM als ein seltsames, mythologisches Gebilde, durch die Überwindung der sprachlichen Hürden war ein Verständnis möglich. Nach der Terminologie wurden Physiologie, Diagnostik und die klinische Anwendung in unserem westlichen Kontext anwendbar und validierbar. 

Im Jahr 1998 wurde durch das amerikanische National Insitute of Health erstmals eine Konsensus-Konferenz zur Akupunktur durchgeführt, seither werden Akupunktur und TCM durch methodologisch gute Studien erforscht. Für die Akupunktur gibt es bereits Evidenz für die Wirksamkeit (efficacy and effectiveness) über Schmerztherapie und Allergie hinaus. Auch werden die Wirkmechanismen der Akupunktur bspw. durch fMRT-Studien mehr verstanden. 

Auch für die chinesische Arzneitherapie (TCA) gibt es für einige Bereiche positive Metaanalysen und Studien, hier besteht aber noch in großem Umfang Forschungsbedarf. Es zeigen sich aber auch Chancen für neue Medikamente und Rezepturen für die (Begleit-)Behandlung im Bereich von Infekten, Autoimmunkrankheiten, Krebs, Stoffwechsel-, dermatologischen und gastrointestinalen Krankheiten.

Für die weitere Evaluierung der TCM, aber auch für eine integrative, kritische Anwendung in der Praxis der TCM ist eine fundierte Ausbildung von Ärzten dringend erforderlich, eine weitere Institutionalisierung ist für die Patientensicherheit und Orientierung geboten.

Die TCM scheint aus der Grauzone des rein Mystischen herausgetreten zu sein, sie kann Chancen auf eine bessere Patientenversorgung bieten. In vielen Teilen besteht und wächst die Evidenz für TCM, es ist aber weiter dringend umfassende Forschung erforderlich. Diese sollte unabhängig gefördert werden.

 

Traditional Chinese Medicine (TCM) – from Myth to Evidence 

Traditional Chinese Medicine is the most comprehensive and widely practiced system of medicine in the world. 

Originally TCM appeared to the West as an unfathomable mythological doctrine. Once the linguistic barriers had been overcome, it became possible to understand and apply the terminological and physiological concepts, the method of diagnosis and the clinical findings in our Western context. 

Since the NIH consensus conference 1998 [54], our understanding of TCM has been the subject of methodologically robust studies. We now have evidence of the efficacy and effectiveness of acupuncture beyond its use in pain therapy and allergy treatment. And, thanks to fMRI studies i.a., we also have better understanding of the mechanisms underlying acupuncture. 

Meta-analyses and studies also confirm the efficacy of Chinese medicinal drugs and remedies in some fields, yet there is still extensive need for further research. But opportunities are also emerging for new medicines and prescriptions for (accompanying) treatments of infections, autoimmune diseases, cancer, metabolic illnesses, dermatological disorders and gastro-intestinal diseases.

To enable further evaluation of TCM, but also to ensure an integrative, critical application in the practice of TCM, it is vital for doctors to have thorough training. Further institutionalisation is necessary to provide orientation and patient safety. 

The days of regarding TCM as some kind of mysticism are, indeed, long over and it can offer real opportunities for a better service for patients. In many fields there is increasing evidence of TCM’s effectiveness yet further comprehensive research is essential. This should be encouraged unconditionally.

 

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